Engagiert am Ort
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Abschluss Weiterbildung

Freudiger Abschluss einer inspirierenden Weiterbildung: Initiatoren und Absolventen nach Übergabe der Zertifikate.

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Die Menschen statt die Strukturen in den Blick nehmen

Ehrenamtliche aus dem Bistum Aachen ließen sich zu „Experten für soziale Belange“ weiterbilden

Wenn man sich in der Kirche nur noch über Strukturen und Finanzen die Köpfe heiß redet, verliert man die Menschen und ihre Sorgen und Nöte aus dem Blick.

Mit dieser Annahme haben das Bistum Aachen, der Diözesane Caritasverband und der Diözesanrat der Katholiken eine gemeinsame Initiative gestartet, um neue soziale Projekte auf den Weg zu bringen.

Erster Baustein in den Bemühungen, durch das „Forum Diakonische Pastoral“ das soziale Profil des Bistums Aachen zu stärken, war eine vierteilige Weiterbildung für Ehrenamtliche. „Werden Sie Experte für soziale Belange vor Ort!“ lautete die Einladung des Kurses. Ziel war, den Ehrenamtlichen methodisches Rüstzeug für soziale Projekte in ihren Kirchengemeinden zu geben.

Der positive Zuspruch habe sie regelrecht überrollt, bekannten die Initiatoren, als die Teilnehmer am 14. Mai in Rheydt ihre Abschlusszertifikate erhielten. Ausgesprochen viele Ehrenamtliche zeigten ihr Interesse, das Thema der tätigen Solidarität in ihren Gemeinschaften der Gemeinden (GdG) stark zu machen. Und entwickelten im Zuge der Weiterbildung bemerkenswerte Initiativen.

So entstand zum Beispiel in Schaufenberg-Millich das Projekt „Helfende Hände“, das Senioren in der Pfarre St. Bonifatius in vielen alltäglichen Fragen unterstützt. Ein „Café der Begegnung“ der Pfarre Heilig Geist in Eschweiler bietet Menschen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten einen Treffpunkt, bei dem auch konkrete Hilfe und Beratung stattfindet.

In den meisten GdG gilt es, nach den strukturellen Umbauten der Kirche am Ort nun auch die Grundlagen für soziale Initiativen weiter zu entwickeln. So geht man zum Beispiel in Viersen nach einer Fusion der örtlichen Pfarreien die Reorganisation der Pfarrcaritas systematisch an. In der GdG Neuwerk sucht man neue Mitglieder für die so genannte „Vinzenz-Konferenz“.

Die Überzeugung, dass es beim kirchlichen Handeln darauf ankommt, genau auf die Bedürfnisse der Menschen zu hören, hat man in St. Brigida Baal bis zum Ende durchexerziert. Dort entwickelte man einen Fragebogen zu den sozialen Angeboten der Kirche vor Ort, der an alle Gemeindemitglieder geschickt wird. Als Muster macht er nun in der gesamten GdG die Runde.

All diese Initiativen und Ideen begeisterte nicht nur die Referentin der Weiterbildung, die Sozialarbeiterin Gaby Wienen. „Wir brauchen solche unbequemen Personen in unseren GdG, die sich nicht immer um den eigenen Kirchturm drehen, um die Regelung der Gottesdienstzeiten und eine möglichst effiziente Organisation der Gremienarbeit, sondern an dem, was in der Gesellschaft wichtig ist“, meinte Dr. Manfred Körber vom Bischöflichen Generalvikariat.

Dies entspreche zutiefst dem christlichen Auftrag und Menschenbild, betonte auch Dr. Alfred Etheber vom Diözesanen Caritasverband. „Wir können nicht anders, als solidarischer Mensch zu sein.“ Die Weiterbildung habe geholfen, diese jedem gegebene tiefe Begabung wachzurufen und den Blick für das zu schärfen, was man vor Ort für die Nächsten tun kann.

Künftig werde man noch stärker als bislang ein Augenmerk auf das Miteinander von Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen in den GdG legen, kündigte Ethebers Kollegin Margret Rutte für das Forum Diakonische Pastoral an. Diesem Ziel diene zum Beispiel der zweite Fachtag des Forums am 19. Oktober zum Thema „Kundschaften“.

Denn dieses Miteinander kann wertschätzend und produktiv sein und sich darin an den Interessen der Menschen im Gemeinwesen orientieren. Oder es kann demotivierend und destruktiv sein und sich dabei nur an einem einseitigen Kirchenbild oder rigiden Amtsverständnis ausrichten. Für beide Konstellationen gibt es überall Beispiele – die auch beim Abschluss in Rheydt zur Sprache kamen.


Von Thomas Hohenschue

Veröffentlicht am 15.05.2011

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