Engagiert am Ort
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Ein Beitrag im Rahmen des Projekts "Engagiert am Ort"

Solidarität konkret

20 junge Aachener bereiten sich auf Einsatz in Burkina Faso vor

Wenn an diesem Sonntag am Schulzentrum Laurensberg Hunderte Messdienerinnen und Messdiener dem runden Leder hinterherjagen, ist Publikum gefragt, das die Mannschaften anfeuert. Wer zugleich auch noch was Leckeres trinkt und isst, tut Gutes. Denn der Erlös des regionalen Messdienerturniers kommt der Jugendarbeit und einem sozialen Zweck zu Gute, in diesem Fall Menschen in Burkina Faso.

Die Pfarren St. Konrad und St. Philipp Neri richten diesmal das Turnier aus. So verfügen sie auch über die Mittel, die aus dem spannenden Kick in Laurensberg übrig bleiben. So erhält zum einen die überaus lebendige Messdienerarbeit in den beiden Gemeinden einen satten Zuschuss. Zum anderen aber wird der Bau einer Krankenstation in dem westafrikanischen Land unterstützt.

Zu dem Projekt auf dem anderen Kontinent bestehen sehr konkrete Beziehungen und bald werden sie sogar durch persönlichen Einsatz vertieft. Denn im Herbst werden bis zu 20 junge Leute mit Pfarrer Hubertus Deuerling nach Burkina Faso fliegen und dort eigenhändig beim Bau der Krankenstation und eventuell auch noch eines Kindergartens anpacken. Drei Wochen wird dieses sogenannte „Workcamp“ gemeinsam mit Bonner Jugendlichen dauern, inklusive der Zeit, Land und Leute näher kennenzulernen.

Wenn man zunächst einmal nachvollzieht, wie es zu diesem aufwändigen Projekt gekommen ist, dann stößt man auf eine Geschichte von sozial wirksamen Beziehungen. Es sind Leute aus dem Umfeld der Gemeinden, die solche Kontakte zu afrikanischen Menschen und Vereinen knüpfen und pflegen. So gibt es mehrere Familien, die freundschaftliche Beziehungen zu Burkina Faso haben, darunter zu einem gesellschaftlich engagierten Militärangehörigen namens Maminon Jonas Somé. Er führt den Verein „Association KOTA“, der beharrlich die soziale und medizinische Infrastruktur seiner Heimat verbessert. Seit Jahren ist Somé ein, zwei Mal im Aachener Westen zu Besuch.

Auch Deuerling hat Freundschaft mit dem Afrikaner geschlossen. Den Pfarrer begeistert die Herzlichkeit, die er bei Begegnungen mit ihm und anderen Leuten aus diesem Kontinent erlebt. Gäste der Hilfswerke Missio und Misereor sind häufig zu Besuch in St. Konrad und St. Philipp Neri. „Es ist eine tolle Bereicherung, Weltkirche zu erleben“, sagt Deuerling. Wie viel wiederum in Burkina Faso, dem viertärmsten Land der Erde, zu tun ist, haben die Gemeinden durch Somé erfahren – und durch Katrin Rohde.

Die frühere Hamburger Buchhändlerin, die seit vielen Jahren in Burkina Faso lebt und dort ein Netz von Einrichtungen für benachteiligte Menschen aufgebaut hat, gehört mit zu dieser Geschichte. Rohde ist eine begnadete Rednerin. Sie tourt mehrere Monate im Jahr durch Deutschland und Europa, um eine Lobby für Burkina Faso aufzubauen und Spenden für ihren gemeinnützigen Verein zu sammeln. Aachen gehört inzwischen zu ihren festen Stationen, und neben den Gemeinden St. Konrad und St. Philipp Neri besucht sie dann auch das Couven-Gymnasium.

Wer einmal erlebt hat, wie sie ein quirliges Publikum von Hunderten Schülern fesselt, zähmt und inspiriert, kann sich vorstellen, wie durchsetzungsstark sie ihre soziale Arbeit in Burkina Faso betreibt. Hier in Deutschland gewinnt sie, indem sie schonungslos offen die gesellschaftlichen Herausforderungen benennt. Sie macht konkret, wie gefährlich das Leben in einem wirklich armen Land ist, gerade für Straßenkinder, für Leute, die aus Not stehlen, für Jugendliche, die den Drogen verfallen sind.

Hubertus Deuerling schätzt diese Bewusstseinsarbeit sehr. Auch in das Gemeindezentrum St. Philipp Neri kamen in diesem Jahr etwa 100 Leute, um sich Informationen und Einschätzungen aus erster Hand abzuholen. So wird bildhaft, wofür sich die Gemeinden einsetzen. „Ich finde es wichtig, dass wir den Blick über den eigenen Kirchturm hinaus richten“, begründet Deuerling. Bleibt anzumerken, dass das Projekt von Somé nichts mit den Aktivitäten von Katrin Rohde zu tun hat. Und dass es über diese Verbindung nun auch Beziehungen zwischen Schule und Gemeinden gibt. Das Couven hat schon für das Vorhaben im Herbst gespendet.

Jetzt laufen allmählich die Vorbereitungen für den Einsatz an. Dazu gehören medizinische Überlegungen und planerische Aspekte. Wieviel Gepäck braucht man wirklich? Diese Frage gewinnt an Bedeutung, wenn man jedes freie Kilogramm mit Medikamenten für das Krankenhaus auffüllen kann. Junge Leute wie Sabrina Lehnen und Walter Schulz bringen sich hier engagiert ein. Sie freuen sich darauf, unter Anleitung von Afrikanern in Burkina Faso anzupacken.

Mit Feuereifer sind sie im Moment dabei, die Mittel für die Reise und das Projekt zusammenzubekommen. Der Krankenhausbau wird mit Spendengeldern finanziert. Die Kosten für Flug und Ähnliches hingegen erarbeiten sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im wörtlichen Sinne: Sie mähen den Rasen, waschen Autos, machen kleine Handwerkerarbeiten, verkaufen Waffeln nach Gottesdiensten und vieles mehr.

Warum wollen die jungen Leute in Burkina Faso helfen? „Das machen wir nicht aus einem schlechten Gewissen heraus“, betont Walter Schulz. Deuerling sagt: „Es ist ein noch größeres Zeichen von Freundschaft, Verbundenheit und Solidarität, wenn man nicht nur spendet, sondern selbst vorbeikommt.“ Und Sabrina Lehnen will authentische Erfahrungen sammeln, wie das Leben in Burkina Faso aussieht. „Dann relativiert sich für mich das ganze Gerede von der Wirtschaftskrise.“

Hintergrundinfo

Dieses Projektporträt ist ein Beitrag im Rahmen des Projektes "Engagiert am Ort", das ehrenamtliches Engagement in kirchlichen Gemeinden, Verbänden, Einrichtungen und Initiativen durch Information und Inspiration fördern will.

Das Projekt wurde am Tag des Ehrenamts 2008 gestartet und stellt immer wieder Personen, Projekte und Konzepte vor mit der Einladung, sich damit auseinanderzusetzen. Journalistischer Mitarbeiter ist Thomas Hohenschue, Aachen.

Anregungen für weitere Beiträge sind sehr willkommen.


Von Thomas Hohenschue

Unveröffentlicht

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