Engagiert am Ort
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Ein Beitrag im Rahmen des Projekts "Engagiert am Ort"

Ein lebendiger Ort

Ehrenamtliche aus ganz Aachen engagieren sich in der Grabeskirche

Die erste Grabeskirche des Bistums steht in Aachen. „Die Toten gehören in die Kirche“, hatte Pfarrer Toni Jansen als pastorale Vision ausgegeben und alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit diese Idee in dem stattlichen Gotteshaus St. Josef Wirklichkeit wurde. Es entstand eine wahrhaft würdevolle Ruhestätte. Im Empfinden vieler Besucher ist die Grabeskirche ein lebendiger Ort. Dazu tragen in erster Linie die Ehrenamtlichen bei, die dort Dienst tun.

Das Team ist in den letzten Jahren auf 16 Frauen und Männer angewachsen, lauter gestandene Leute zwischen Ende 50 und Anfang 80. Horcht man einmal nach, woher sie kommen und was sie antreibt, sich in der Grabeskirche zu engagieren, wird rasch etwas Verbindendes deutlich: Die Wenigsten kommen aus St. Josef und Fronleichnam selbst – sie setzen sich ein, weil Pfarrer Toni Jansen sie dafür angesprochen und gewonnen hat. Aus St. Peter kommen viele, natürlich, denn dort war Jansen lange Jahre aktiv. Aber genauso kommen sie etwa aus St. Gregorius oder aus Vaalserquartier.

Was die Ehrenamtlichen aber – inzwischen – ebenso verbindet, ist die Liebe zu St. Josef und ihrer Aufgabe an diesem ganz besonderen Ort. Das Ehepaar Ritter lebt seit 1945 im Ostviertel und ist froh, dass das Gotteshaus am Adalbertsteinweg als Grabeskirche erhalten bleibt. „Wir hatten uns schon schmerzlich verabschiedet, die Kirche war bereits zu. Doch dann kam Dr. Jansen mit seiner Idee“, blickt Elisabeth Ritter dankbar zurück. Dass die Kirche, die sie durch ihr Leben begleitet hat, weiter Bestand hat: Für dieses Ziel setzen sich die Ritters gerne und mit großer Leidenschaft ein.

Andere hatten nicht diese persönliche Beziehung, als sie angesprochen wurden. Und doch gefiel ihnen die Vision, dass ein Gotteshaus eine neue sinnvolle Aufgabe erhält und nicht, wie sie es etwa bei den niederländischen Nachbarn beobachten, zum Fahrradladen oder zur Buchhandlung umgewandelt wird. Daran mitzuwirken, dass dies gelingt, als ein würde- und stillvoll gestalteter Ort des Abschiednehmens, Trauerns und Gedenkens, das reizt und fasziniert die meisten im Team.

Und noch eines verbindet viele Frauen und Männer, die ehrenamtlich Dienst tun in der Grabeskirche: die Auseinandersetzung mit dem Tod. Zwar geht das bei den meisten nicht soweit wie bei den Frauen, welche sich zu Hospizhelferinnen haben ausbilden lassen. Aber ein Großteil lässt den Gedanken an die eigene Endlichkeit zu und entwickelt über die Begegnung mit den Grabstätten und die Gespräche mit Angehörigen ein festes Verständnis und eine Vorstellung. Viele Ehrenamtliche möchten auch in der Grabeskirche ihre letzte Ruhestätte finden, haben sich sogar bereits Urnenplätze gesichert.

Getragen von diesen Motiven und Gefühlen, gehen die Frauen und Männer ihren freiwilligen Dienst an. Dazu gehört die Pflege des äußeren Erscheinungsbildes. Verwelkte Blumen kommen in die grüne Tonne, abgebrannte Kerzen werden ausgetauscht, der Auslegetisch aufgefüllt. Vor allem aber sind die Ehrenamtlichen einfach da – für jeden, der die Grabeskirche betritt.

Das sind zunächst einmal Angehörige und Freunde von Verstorbenen. Die Freiwilligen drängen sich nicht auf, aber sobald jemand eine Frage hat oder das Gespräch sucht, schenken sie ihrem Gegenüber Zeit und Aufmerksamkeit. Dann geht es um Trauer, um Lebensgeschichten, um Alltagsfragen. Oft entwickelt sich über Monate und Jahre eine fast schon familiäre Verbindung.

Spannend finden viele auch die Begegnung mit den zahlreichen Gästen von außerhalb. Bis heute erstaunt es die Ehren- amtlichen, welch weite Reisen manche auf sich nehmen, um die Grabeskirche zu besichtigen. Es sind längst nicht nur Architekten und andere beruflich angetriebene Gruppen, die das tun.

Die Grabeskirche interessiert zahlreiche Gäste von außerhalb

Vielmehr würden kulturell interessierte Touristen heute drei kirchliche Stationen in Aachen ansteuern, so die Beobachtung: den Dom als Unesco-Weltkulturerbe, St. Fronleichnam als Kirchenbau von Rudolf Schwarz und eben St. Josef als Grabeskirche. Aus den Begegnungen mit Reisegruppen, Schulklassen, Studierenden und weiteren, oft bereits durchs Internet vorinformierten Gästen nehmen die Ehrenamtlichen interessante Eindrücke mit.

Zu ihrem Aufgabenspektrum gehört auch, den Wasserlauf zu säubern und für leise Hintergrundmusik zu sorgen. Das gestaltet sich zurzeit schwierig. Denn wie viele andere alte Bauten bedarf auch St. Josef einer Sanierung. Gerüste sind in den Kirchenraum gebaut, der Wasserlauf ruht und die Musik wird zuweilen durch die Geräusche der Handwerker übertönt. Diese ästhetische Durststrecke dauert bis weit ins nächste Jahr hinein.

Hintergrundinfo

Dieses Projektporträt ist ein Beitrag im Rahmen des Projektes "Engagiert am Ort", das ehrenamtliches Engagement in kirchlichen Gemeinden, Verbänden, Einrichtungen und Initiativen durch Information und Inspiration fördern will.

Das Projekt wurde am Tag des Ehrenamts 2008 gestartet und stellt immer wieder Personen, Projekte und Konzepte vor mit der Einladung, sich damit auseinanderzusetzen. Journalistischer Mitarbeiter ist Thomas Hohenschue, Aachen.

Anregungen für weitere Beiträge sind sehr willkommen.


Von Thomas Hohenschue

Unveröffentlicht

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