Engagiert am Ort
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Ein Beitrag im Rahmen des Projekts "Engagiert am Ort"

Gemeinsam die Begeisterung fürs Lesen weitergeben

In Niederkrüchten und Schwalmtal werden ehrenamtlich gestützte Bibliotheken gegründet

Es gibt sie immer noch, bei aller multimedialen Flut im Zeitalter von Spielkonsolen und Glasfaser-Internet: die Menschen, die Bücher lesen. Und es gibt Menschen, die ihnen das möglich machen wollen, auch bei kleinem Geldbeutel.

Im ländlichen Raum ist die Versorgung mit interessantem Lesestoff eine noch größere Herausforderung als im städtischen Raum. Auf dem Land stellen das häufig mobile Bibliotheken sicher. Busse mit Büchern fahren zu den lesenden Menschen. Was aber, wenn dafür das Geld nicht mehr reicht?

Vor dieser Frage standen jetzt die Gemeindeverwaltungen in Niederkrüchten und Schwalmtal. Der Bücherbus war nicht länger finanzierbar, ebenso schloss eine evangelische Einrichtung, Pfarrbüchereien in katholischer Trägerschaft gibt es in dieser Ecke des Bistums nicht. Da war guter Rat teuer, um weiter eine Infrastruktur für Buchliebhaber zu bieten.

Die Antwort, welche gefunden wurde, in Partnerschaft auch mit katholischer und evangelischer Kirche, hat ihren Reiz. Mit einer hauptamtlichen ausgebildeten Bibliothekarin, Karin Müller, im Rücken werden gleich zwei stationäre Bibliotheken eingerichtet, eine in Niederkrüchten-Elmpt, eine in Waldniel. 2009 geht es los.

Von vorneherein die tragende Säule: ein Netz von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das Karin Müller in die Konzeption und Durchführung des Projektes einbezieht. Gut vorbereitet auch in der Begleitung und Unterstützung von Freiwilligen, geht die 31-jährige das zielstrebig an.

Bei Infoabenden stellte sie das Vorhaben vor und erörterte mit den zahlreichen interessierten Frauen und Männern, was es an Diensten und Angeboten in den künftigen Bibliotheken geben soll. Auch gab sie den Leuten einen Fragebogen an die Hand, mit dem sie ihr gewünschtes Engagement beschreiben können.

Aus dem Rücklauf an Fragebögen entwickelt Karin Müller, während noch die Bauhandwerker letzte Hand in den Bibliotheksräumen anlegen, die Pläne für Thekendienst, elektronische Datenverarbeitung, Einstellen von Medien und Buchbearbeitung. Auch sondiert sie die Möglichkeiten, Lesepatenschaften zu übernehmen oder gar Veranstaltungen anzubieten.

Denn eines verbindet sie mit den zahlreichen Ehrenamtlichen, die sich künftig mit ihr für die beiden Bibliotheken engagiert: die Begeisterung fürs Buch und der Wille, diese Begeisterung weiterzugeben. „Mit diesen Leuten kann man richtig etwas stemmen“, freut sich Müller auf die gemeinsame Arbeit.

Werner Wegmann ist so ein Überzeugungstäter. Der 57jährige Lehrer betreut schon eine Schulbibliothek in seinem Gymnasium in Waldniel. Mit dem neuen Projekt verbindet er die Hoffnung, neue, jüngere Menschen ans Buch heranzuführen. Lesungen will er organisieren und andere Dinge, die Appetit machen auf die Welt der Literatur. Die neue Bibliothek möchte er „zum interessanten Ort machen“.

Bernd Zenner engagiert sich seit jeher gerne dort, wo seine Tatkraft gefordert ist, etwa im Pfarrgemeinderat oder bei der Schwalmtaler Tafel. „Ich habe Zeit, ich habe meiner Frau versprochen, immer früh aufzustehen, und ich kann ja noch ein bisschen was“, lächelt der 65jährige Pensionär. Das Bibliotheksprojekt findet er sinnvoll, und wenn es dann läuft, dann sei er zufrieden.

Starthilfe geben möchte auch Werner Wegmann. „Es ist einen Versuch wert.“ Diese hohe Motivation der Freiwilligen erfreut Karin Müller. Manchmal muss sie sogar schon die sprudelnde Vielfalt von Ideen bremsen, um zunächst ein solides Grundangebot zu gestalten. Denn als erstes gilt es, die beiden Standorte als Anlaufstelle für Leseratten und solche, die es werden sollen, zu etablieren.

Die Bibliothekarin versteht sich als Moderatorin und Organisatorin, welche den richtigen Rahmen für das ehrenamtliche Engagement bereitstellt. Natürlich hält sie einen Blick auf die Qualität der Dienste und Angebote, aber sie vertraut dabei auf die vielfältigen Kompetenzen und den verlässlichen Einsatz der Freiwilligen. Einführungen, Fortbildungen und gemeinsame Treffen runden die Begleitung ab.

Wenn alles gut anläuft, werden dann die gemeinsamen Visionen Schritt für Schritt Wirklichkeit. Die Bibliotheken öffnen familien- und arbeitnehmerfreundlich, auch samstags, sie bieten Lesungen an und starten Aktionen. Ein Lesepatenclub widmet sich der Leseförderung, ein Förderverein der Kofinanzierung. Die Bibliotheken werden gastliche Orte, wo es zum guten Buch auch einen guten Kaffee gibt.

UPDATE von Januar 2009
Karin Müller, Dipl.-Bibl. (FH), ist im Januar 2009 aus dem Dienst geschieden. Der Aufbau der Bibliotheken und der Ehrenamtlichenarbeit ist jedoch wie oben beschrieben im Gange. Siehe auch einen Beitrag der Rheinischen Post.

Hintergrundinfo

Dieses Projektporträt ist ein Beitrag im Rahmen des Projektes "Engagiert am Ort", das ehrenamtliches Engagement in kirchlichen Gemeinden, Verbänden, Einrichtungen und Initiativen durch Information und Inspiration fördern will.

Das Projekt wurde am Tag des Ehrenamts 2008 gestartet und stellt immer wieder Personen, Projekte und Konzepte vor mit der Einladung, sich damit auseinanderzusetzen. Journalistischer Mitarbeiter ist Thomas Hohenschue, Aachen.

Anregungen für weitere Beiträge sind sehr willkommen.


Von Thomas Hohenschue

Unveröffentlicht

Dateien zum Download

Präsentation für Projekt Niederkrüchten (pdf, 262282)

Prxsentation_Ehrenamtler_Niederkrxchten.pdf

Präsentation für Projekt Schwalmtal (pdf, 432173)

Prxsentation_Ehrenamtler_Schwalmtal.pdf

Fragebogen für Ehrenamtliche (pdf, 36943)

Fragebogen_EhrenamtlerNiederkrxchten.pdf

Weiterführende Links

 
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