Engagiert am Ort
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Ein Beitrag im Rahmen des Projekts "Engagiert am Ort"

Wellness und Gott

Ehrenamtliche ermöglichen spirituelle Erfahrung in der Therme

Die in Kooperation zwischen dem Bistum Aachen und den Carolus Thermen veranstalteten Meditationen sind eine lieb gewonnene Tradition. Seit acht Jahren gehören die täglich stattfindenden Meditationen zum Wohlfühlangebot der Carolus Thermen - ein in dieser Form bundesweit einmaliges Angebot.

Einen Tag mal so richtig gut gehen lassen und die Seele baumeln lassen – das kann man in den Aachener Thermen auf vortreffliche Weise. Schnell taucht man ein in eine Welt voll Ruhe und Entspannung. Das warme Thermalwasser tut dem Körper von außen wohl, Wassergymnastik und die Aufgüsse in der Sauna tun ihr Übriges. „Mit Hilfe der Meditationen kann man zusätzlich auch von innen entspannen und zu sich selbst finden“, sagt Initiatorin Barbara Baumann, die das Angebot vor acht Jahren ins Leben rief. „Warum nicht mal Wellness und Spiritualität verbinden, haben wir angesichts des damals entstehenden Trends gedacht“, erklärt die ehemalige Referentin der Freizeitpastoral im Bistum Aachen.

Kurz nach der Eröffnung der Thermen 2001 war Geschäftsführer Werner Schlösser schnell begeistert von der Idee und sicherte seine Unterstützung zu. Initiiert durch den Fachbereich „Kirche in der Gesellschaft“ des Bischöflichen Generalvikariates Aachen, wird das Angebot seit 2006 von einem Team Ehrenamtlicher getragen. Von Beginn an wurde das niedrigschwellige Angebot gut angenommen, immer mehr Stammgäste und Ehrenamtliche kamen über die Jahre dazu. Mittlerweile ist die Meditation aus den Thermen nicht mehr wegzudenken. Zwischen fünf und 15 Teilnehmern schwanken heute die Zahlen bei den Meditationen. Viele Gäste richten sich mit ihrem Badeaufenthalt schon lange nach den Meditationszeiten, da sie auf dieses Zusatzangebot nicht mehr verzichten möchten.

Kein Wunder – ist das kostenlose Extra doch erholsam für Körper und Seele. „Wenn das nicht gut für die Gesundheit ist“, findet Teamleiterin Baumann, die alle Termine im Blick behält und die Reflexionsgespräche leitet. Klar, dass sie ein wenig stolz ist auf ihr 20-köpfiges Team, das aus fachkundigen Mitarbeitern besteht. Die „Teamer“ zwischen 30 und 72 Jahren sind keineswegs alle katholisch. Das eingespielte Team ist vielmehr ökumenisch-interreligiös zusammengesetzt. „Dabei sind pastorale Mitarbeiter, evangelische Pfarrer, Rentner. Alle verfügen über eine entsprechende Ausbildung, Fähigkeiten, Erfahrung“, sagt die Koordinatorin. Je nach ihren Möglichkeiten haben die Mitarbeiter verschieden viele Einsätze.

Die Idee war anfangs ungewöhnlich. „Kirche geht an die Orte der Menschen, wo man sich etwas Gutes tut – das passt einfach hervorragend“, so Baumann. „Betritt man die Schwelle der Thermen, lässt man den Alltag und den beruflichen Stress für einige Stunden hinter sich.“ Da die Teilnehmer bereits „vorentspannt“ seien, würden sich die Thermen besonders gut zur inneren Einkehr eignen. „Hier begegnet man der Kirche und Gott an einem Ort, wo man ihn nicht erwarten würde“, sagt die Koordinatorin.

Fast von Beginn an dabei ist der 72-jährige Klaus Jäkel, pensionierter Abteilungsleiter von missio. Ganze Wellnesstage veranstaltet er im Alleingang, insgesamt ein Drittel aller Meditationen. Kürzlich „feierte“ er seine 2000. Meditation. „Wir wollen mit diesem Angebot Leute erreichen, die der Kirche im Alltag sonst nicht nahe stehen“, schildert er. Jemanden zu missionieren oder in Richtung Kirche bewegen zu wollen, liege ihm und den anderen Mitarbeitern allerdings fern. „Die Entspannung steht im Vordergrund. Was sonst noch passiert, ist nicht planbar.“

Unabhängig von der Weltanschauung oder Konfession ist jeder willkommen. Einzig spirituelle und gegebenenfalls auch religiöse Offenheit sind nötig, um sich auf das Erlebnis „Meditation“ einzulassen. Die Meditationen werden im Ruheraum des Thermalbades oder im Wintergarten des Saunabereichs durchgeführt. Dabei benutzt jeder Leiter eine andere Methoden wie etwa Fantasiereisen, Entspannungsübungen, Achtsamkeitsübungen, stilles Sitzen, Arbeiten mit Mantras, Symbolen und Metaphern, bewusstes Atmen oder Klangschalenmeditation. In regelmäßigen Teambesprechungen wird die Arbeit miteinander reflektiert. So werden die 15- bis 30-minütigen Meditationen immer wieder verändert und erweitert. „Ich füge zum Beispiel ständig neue Bilder und Symbole ein, probiere neue Bibelzitate aus“, erzählt Jäkel.

Im Ruheraum der Badehalle holt Jäkel die Teilnehmer zunächst in die Meditation hinein. „Machen Sie es sich bequem, lehnen Sie sich zurück.“ Mit langsamen und ruhigen Worten lenkt er die ganze Aufmerksamkeit auf den Körper, auf die Finger, die Zehen, den Bauch. „Man soll zur Ruhe kommen, den eigenen Körper bewusst wahrnehmen, vom Kopf bis zu den Füßen“, erklärt Jäkel. Derart entspannt lassen sich die Männer und Frauen verschiedensten Alters fallen und in Fantasiewelten entführen. Mit spirituellen Texten regt er zum Nachdenken an und reist mit den Teilnehmern danach auf eine grüne Sommerwiese, auf der die Blumen blühen und die Vögel zwitschern.

Man kann es sich richtig vorstellen, spürt die wärmenden Sonnenstrahlen und riecht den Duft der Blumen. „In Gedanken ist man frei“, meint Jäkel. Atemübungen verfestigen die totale Entspannung, bevor es langsam wieder zurück in den Ruheraum geht. Allzu schnell ist die Meditation vorbei. „Wir fühlen uns wie neu geboren, das ist wie ein Neuanfang“, beschreiben Julia Kreuzkamp und Jana Krüger, wie sie ihre erste Meditation erlebt haben. „Man fühlt sich rundum entspannt nach einem Tag in den Thermen und die Meditation hat das noch verstärkt“, finden die beiden jungen Frauen.

Nach einer Pause geht es für Jäkel mit der nächsten Meditation weiter, die diesmal in der Baltischen Saunalandschaft im Wintergarten Meditarium stattfindet. Hier erwartet die Teilnehmer etwas ganz Besonderes: Bei der so genannten „Klangschalenmeditation“ kann man den Klang mit dem ganzen Körper spüren, nicht nur im Ohr. Immer wieder schlägt Jäkel eine metallene Schale an. Schnell findet jeder in seine eigene Welt, fühlt die Töne und kommt zu sich selbst. Mit einem Witz holt Jäkel die Teilnehmer aus ihren Träumen in den Ruheraum zurück.

„Toll ist, wenn Teilnehmer nach der Meditation zu mir kommen, über ihre Erfahrungen berichten oder sich einfach bedanken“, erzählt Jäkel. Für viele sei diese halbe Stunde der Entspannung pures Glück. „Viele nehmen ihren Körper neu wahr.“ Ein Teilnehmer komme sogar eigens aus 80 Kilometer Entfernung nach Aachen, um dabei zu sein.

Für ihr Engagement erhalten die Ehrenamtlichen keinerlei finanzielle Entschädigung. Mit Tagesfreikarten können sie sich aber selbst in allen Bereichen der Thermen entspannen. „In dem Moment, wo die anderen sich entspannen, komme ich auch selbst zur Ruhe und es ist ja auch ein sehr sinnvoller Einsatz.“ Und, so Jäkel weiter: „Wenn mir jemand nach der Meditation dankt und sagt, dass sie ihm gut getan hat, ist das das schönste Dankeschön.“ Ihn habe einst jemand gefragt, was Wellness mit Gott zu tun habe. „Das ist nur eine andere Bezeichnung – und noch viel mehr“, schmunzelt Jäkel.

Hintergrundinfo

Dieses Projektporträt ist ein Beitrag im Rahmen des Projektes "Engagiert am Ort", das ehrenamtliches Engagement in kirchlichen Gemeinden, Verbänden, Einrichtungen und Initiativen durch Information und Inspiration fördern will.

Das Projekt wurde am Tag des Ehrenamts 2008 gestartet und stellt immer wieder Personen, Projekte und Konzepte vor mit der Einladung, sich damit auseinanderzusetzen. Anregungen für weitere Beiträge sind sehr willkommen.


Von Nina Krüsmann/Kirchenzeitung

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